2021

Aus aktuellem Anlass 2021f - wie immer in aller Kürze:

»Die traditionelle Auffassung sah den ›politisch Verfolgten‹ also im Kampf gegen die Regierenden und auf der Seite ihrer Gegner. Die neue, aus der Existenz der totalitären Staaten hervorgegangene Auffassung ist dagegen um einen Menschen zentriert, der nicht der ›zukünftige Regierende‹, sondern der ›ewige Dissident‹ ist, der das System, in dem er lebt, grundsätzlich ablehnt, der diese Ablehnung mit den ihm verfügbaren Mitteln zu Ausdruck bringt und deshalb verfolgt wird. Diese Auffassung gründet also nicht mehr in dem Recht, die Macht zu ergreifen, sondern in dem Recht zu leben, frei zu sein, wegzugehen und nicht verfolgt zu werden - kurz, auf dem legitimen Widerstand gegen die Regierungen.« (Foucault, DE III (2003) 472)

  • Die Revolte: (Vgl. ders., DE II (2014), 442-444)

    1. Die »Kriminalität« ist die erste Form der »Revolte«.
      1.1 Sie ist »soziale Kampfform«: »individuelle provisorische Umkehrung der Ordnung und der Macht«.

    2. Vereine:
      2.1 Eine »bewusste Form« nimmt die Revolte an, wenn sich der »Verein«, die »gewerkschaftliche Organisation« in ihrem »ursprünglichen Sinn« herausgebildet hat.
      2.1.1 Er löst den »Hauptwiderspruch« in den Massen: der Gegensatz der Massen zueinander – die »Konkurrenz«.
      2.1.2 Er ist »soziale Kampfform«.

      2.2 Aus den Vereinen und Gruppen heraus, muss sich die Revolte auf das »ganze Gesellschaftssystem« übertragen.
      2.2.1 »Andere soziale Klassen«, »junge Intellektuelle«, etc.

  • Der Terror: (Vgl. ders., DE III (2003), 110f, 496f, 499; ders., VL 79/89 (2014) 34)

  1. »Terrorismus« ist nichts anderes »als der Kampf gegen den Staat«, der »bewaffnete Kampf« gegen den Staat.

»Den Terror für die Revolution verwenden ist an sich eine völlig widersprüchliche Idee.« (Foucault., DE III (2003), 110f)

  1. Denn er bindet die Bevölkerung nur noch enger an die bürgerliche Ideologie.
    2.1 Sie findet sich nicht in »einer Serie terroristischer Anschläge« wieder.
    2.2 Er macht den Menschen Angst, die dem »Staat anhängen«:
    2.2.1 die »alles akzeptieren, die Steuern, die Hierarchie, den Gehorsam«,
    2.2.2 weil der Staat sie schützt und vor Unsicherheit bewahrt.

  2. Er ist ein Mittel – eine »Regierungskunst« der herrschenden Klasse, die ihre »Ziele«, »Motive« und »Mechanismen« offen zeigt. 3.1 Er ist eine »Gouvermentalität« in »nacktem«, »zynischem«, »obszönen« »Zustand«.

  3. Nur wenn er an eine »nationalistische Bewegung« gebunden ist, wird er zu einem »gewissen Maß« akzeptiert.
    4.1 Nicht akzeptiert wird er, wenn er »im Namen einer Klasse«, einer »politischen Gruppe«, einer »Avantgarde oder einer Randgruppe« zu handeln behauptet.

»Allgemeiner gesagt, der Terror erweist sich als der grundlegendste Mechanismus der herrschenden Klasse für die Ausübung ihrer eigenen Macht, ihrer Herrschaft, ihrer Hypnose und ihrer Tyrannei.« (Foucault, DE III (2003), 110f)

  • Die Revolution:

»Die Macht der Bourgeoisie verlängert sich selbst, nicht durch Konservierung, sondern durch sukzessive Transformationen. […] Daraus ergibt sich zugleich das Heikle an ihr und ihre erfindungsreiche Flexibilität. Daraus ergibt sich, dass die Möglichkeit ihres Umsturzes und der Revolution beinahe seit ihren Anfängen in ihre Geschichte eingetragen war.« (Foucault, DE III (2003), 267)

  1. Eine »Revolution« muss auf persönlicher Ebenen stattfinden: (Vgl. ders., DE IV (2005) 774)

    1. als ein »Stil«: eine »Existenzweise« mit ihrer »Ästhetik« und »Askese«;
      1.1 in den »besonderen Formen« einer »Beziehungen zu sich und zu anderen«.
  2. Die Revolution als »politisches Projekt«: (Vgl. ders., DE IV (2005) 774)

    1. Die »Machtmechanismen«, die auch außerhalb der Staatsapparate funktionieren, müssen verändert werden. (Vgl. ders., DE II (2014) 938)
      1.1 Eine »Umwälzung« wird nicht ein für allemal durch eine »neue Kontrolle« über die »Apparate«, noch über eine »Erneuerung oder Zerstörung« der Institutionen erreicht. (Vgl. ders., ÜS (1977) 39)

    2. Innerhalb der »revolutionären Bewegung« wird sich das Bild des Staatsapparates auflösen: (Vgl. ders., DE II (2014) 938)
      2.1 Die »Formen« der »bürgerlichen« Staatsapparate können nicht als »Vorbild« der neuen »Organisationsformen« - des »neuen revolutionären Staatsapparats« - dienen. (Vgl. ders., DE II (2014) 451f) 2.2 Weder der »Bürokratie« noch dem »Gerichtsapparat« darf der »revolutionäre Apparat« »hörig« sein: das Gericht ist die Bürokratie der Justiz. 2.3 Man wird »andere Formen« »erfinden« müssen: keinen Weg über das »Gericht«, unter dem die Massen Jahrhunderte lang gelitten haben.

Das »Gesetz ist der »Krieg« selbst, die »Strategie« des aktuell stattfindenden Krieges. (Vgl. Deleuze, Foucault (1986) 46f)

»[…] daß es unter diesen Bedingungen Heuchelei oder Naivität wäre zu glauben, daß das Gesetz für alle und im Namen aller geschaffen ist; daß es klüger ist anzuerkennen, daß es von einigen gemacht ist und auf andere anzuwenden ist; daß es zwar im Prinzip alle Bürger verpflichtet, sich aber in erster Linie an die zahlenmäßig stärksten und am wenigsten aufgeklärten Klassen richtet; daß die politischen und bürgerlichen Gesetze zwar für alle gleich sind, nicht aber ihre Anwendung; […]« (Foucault, ÜS (1977), 355)


»[…] stellen sie eine Verbindung zwischen verschiedenen Schichten her, deren Trennung die herrschende Klasse durch soziale Hierarchien und unterschiedliche ökonomische Interessen aufrechterhalten will. Die Untersuchungen müssen diese für die Macht unerlässlichen Barrieren niederreißen, indem sie Gefangene, Anwälte und Richter oder Ärzte, Patienten und Pflegepersonal zusammenführen.« (Foucault, DE II (2014), 238)

Eure Polys im Dezember 2021