Stammtisch: Neue Lebens- und Beziehungsformen

Kurz und Knapp:

Veranstalter: Polymorphose - Verein für neue Lebensformen, autonome Selbstkulturen und ästhetische Lebenskünste e.V.
Datum: ganzjährig, jeden 3. Samstag im Monat
Zeit: ab 21 Uhr
Ort: Vereinsräume Rosenweg 3, 16928 Groß Pankow (OT Baek)
START: 17.01.2025
Anmeldung: Eine Teilnahme ist nur mit vorheriger unverbindlicher Anmeldung per Email oder Telefon möglich.

Hinführung:

Wir leben in einer rechtlichen, sozialen und institutionellen Welt, die für den Großteil der Menschen nur sehr wenige, extrem schematisierte und äußerst arme Beziehungen ermöglicht; beispielsweise das Eheband und das Familienband sowie in neuerer Zeit die Eheähnliche- und Bedarfsgemeinschaft. Diese Institutionen haben unsere Beziehungswelt beträchtlich verarmen lassen, wobei unsere bürgerlich-kapitalistisch organisierte Gesellschaft und ihre Institutionen Gerüst für diese Beziehungen sind. Die Einschränkung des Spektrums möglicher Beziehungen dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, dass sich eine an Beziehung reiche Welt nur schwer verwalten ließe und hat damit weitreichende gouvernementale sowie machtpraktische und wissenstheoretische Hintergründe. Ab dem 20. Jh. kann nun immer wieder effektiver Widerstand gegenüber der staatlichen Verwaltung der Lebensweise der Menschen ausgemacht werden, indes er kein situatives Phänomen ist oder an eine besondere Konjunktur gebunden wäre. Im Gegenteil gehört er zu einer historischen Realität, die vielleicht nicht offensichtlich ist, die aber in den ›westlichen Gesellschaften‹ extrem fest verankert ist. Ein bekanntes Beispiel für erfolgreichen Widerstand dürften die rechtlichen, sozialen und medizinischen Transformationen in Bezug auf Homosexualität sein. Der zentrale Begriff dieser Auseinandersetzung ist der der »Lebensform«. Diese so Michel Foucault (DE IV (2005) 202ff) müssen neu erfunden, nicht etwa entdeckt werden. Eine bestimmte Lebensform könne von Menschen unterschiedlichen Alters, gesellschaftlicher Stellung und sozialer Tätigkeitsbereiche geteilt werden, indes sie nicht auf Klassenzugehörigkeit, Beruf oder Bildungsniveau basieren müsse. Sie solle Raum für intensive Beziehungen schaffen, in welchen sich neuerliche Beziehungs- und Gefühlsmöglichkeiten bieten: polymorph, vielfältig und individuell, sollen sie keinen institutionalisierten Beziehungsformen gleichen oder sich von einem Schema der Natur, göttlichem Gesetz oder einer organischen Notwendigkeit herleiten. Neue Lebensformen können gar eigene Kulturen und Ethiken hervorbringen: neue Lebensweisen, Werte und Formen des Austauschs zwischen Menschen ermöglichen. Letztlich sind sie in sich Orte des Widerstandes gegen eine bestimmte Form von Macht, die das Leben des Einzelnen zum Objekt - zum Ziel nimmt, um es zu kontrollieren und ihn zu führen und zu leiten. Damit sind sie Orte einer (politischen) Revolution, die auf der persönlichen Ebene der Existenzweise eines Menschen stattfindet: in den besonderen Formen der Beziehung zu sich selbst und zu anderen.

Kurzbeschreibung Konzept:

Der Polymorphose e.V. lädt ein in einen offenen Begegnungsraum, der neuen Lebens- und Beziehungsformen gewidmet ist sowie den Diskursen, die mit ihnen verbunden sein können: bspw. mit lebensweltlich-politischen Bedingungen und Implikationen, den Verfahren zur Analyse und Gestaltung der eigenen Identität oder mit begriffsbildenden-theoretischen Aspekten.
Häufig werden diese Wissensfelder auch mit anderen Begriffen assoziiert: z.B. mit nicht-monogamen, polyamoren oder offenen Beziehungsmodellen sowie mit von der bürgerlichen Norm abweichenden Lebensentwürfen gleichgesetzt: bspw. einem Leben in einer Kommune.

Der offene Begegnungsraum verfolgt das Konzept des »Leeren Programmes«, d.h. es kann durch die Teilnehmenden selbst vollumfänglich entworfen werden.
Folgende Dinge wollen wir realisieren:

  • einen offenen (wissenschaftlichen) Ideen- und Erfahrungsaustausch;

  • Reflexionen der eigenen Erfahrungen, Ansichten und Konzepte;

  • Partizipation an Erfahrungen, Methoden und Weltanschauungen der anderen Teilnehmenden;

  • Impulse und Anleitungen für die Transformationen des eigenen Denkens, Handels, Empfindens und der Selbstwahrnehmung (»Selbstformierung des Subjekts«);

  • ein Knüpfen von Kontakten und Vertrautheiten zu Menschen gleicher Interessen (»Netzwerken«).

Eingeladen zu einer regelmäßigen und auch unregelmäßigen Teilnahme sind alle Menschen und Gruppen, die ein irgendwie geartetes Interesse am Wissensfeld der neuen Lebens- und Beziehungsformen haben; spätere Teilungen der Teilnehmendengruppe nach Interessen sind möglich. Die Teilnahme erfordert kein Vorwissen, keinen bestimmten Bildungsstand, kein bestimmtes Alter oder kulturelle Herkunft.